Chronik des VfB 1924


1967 bis 1973

 

 


Zur Saison 1967/68 gab es einen Trainerwechsel. Auf H. Sagefka folgte Helmut Kallenbach. Nach dessen Weggang übernahm Adolf Nagel die Leitung des Seniorentrainings. Als Karl-Heinz Hertstein in Jahre 1970 neuer Trainer des VfB wird, bleibt Adolf Nagel fortan Trainerassistent bei unseren Senioren.


Die Saison 1970/71 - das größte Jahr des VfB - Aufstieg in die Hessenliga!

 

Die Amateure der Offenbacher „Kickers" wurden Meister der Gruppenliga Mitte und Aufsteiger in die Hessenliga. Das Statut des Hessischen Fußballverbandes gestattet aber auch dem Tabellenzweiten den Aufstieg, wenn der Meister einem Regionalliga- oder Bundesligaverein angehört. Diese Chance zum Aufstieg bot sich nun dem VfB Aßlar und dem TuS Naunheim. Die letzten Spiele wurden zu einem ,,Fußballkrimi“. Keine Regie hätte den Ablauf der Meisterschaft spannender gestalten können. Während sich Offenbach die fehlenden Meisterschafts­punkte gegen Hanau 93 holte, schien Aßlar mit seinem vor einer Rekordkulisse von 3500 Zuschauern gegen Naunheirn 4 :1 verlorenen Derby seine Chance ver­spielt zu haben. Nun mußte Naunheim sein noch ausstehendes Heimspiel gegen die „Kickers"-Amateure gewinnen um zweiter Aufsteiger zu sein. Vor einer er­neuten Rekordzuschauerkulisse erreichte Naunheim aber ,,nur" ein Unentschie­den. Somit war das von vielen Fußballfans erhoffte Entscheidungsspiel um den Aufstieg fällig. Dieses große Spiel kam am 5. Juni 1971 im Wetzlarer Stadion zum Austrag, auf jenem Rasen, auf dem uns etwa ein Dutzend Jahre zuvor Sieg und Aufstieg gegen Waldgirmes gelang.

Das Fußballglück öffnete uns somit die Tür in Hessens „gute Fußballstube“. Ob uns der Anzug zu diesem Konzert der Großen passen würde, das mußte die Zukunft erweisen. Gleich zum ersten Heimspiel in der Hessenliga gegen die Amateure der „Eintracht" Frankfurt kamen über 2000 Zuschauer. Sie sahen einen guten VfB, der nur an dem ganz phantastischen Torwart Rudolf scheiterte und mit 1:0 sehr unglücklich verlor, wie uns überhaupt einige glücklose Spiele den Klassenerhalt gekostet haben.

Im Derby gegen den VfB 1900 Gießen wurde vor 2500 Besuchern der erste Sieg errungen. Wenn sich auch weitere erhoffte Punkte spärlich einstellten, so kamen die Zuschauer trotzdem bis zuletzt sehr zahlreich zu den Spielen unserer Mannschaft, weil sie äußerst fair spielte und sich immer erst nach Kampf geschlagen gab. Es waren Spiele wie sie sich die Fußballfans von weit und breit wünschten. Die Tausendergrenze der Zuschauer wurde immer erreicht. Der Kassierer konnte sich besonders bei den Spielen gegen den FSV Frankfurt und VfR Bürstadt die Hände reiben.

Der Klassenerhalt schien nach dem großartigen Spiel und Sieg in Großenritte noch einmal in greifbare Nähe gerückt, doch sollte der unverhoffte Abstieg von ,,Opel" Rüsselsheim aus der Regionalliga-Süd den sicher geglaubten Viertletzten der Landesliga Hessen zum Abstieg in die Gruppenliga verurteilen. Daran än­derte auch ein 1 :1 in Offenbach und ein glanzvoller 5 : 1 Abschied gegen ,,Rot-Weiß“ Frankfurt nichts mehr.
Es war in der langen Vereinsgeschichte der erste Abstieg, den eine Mannschaft des VfB hinnehmen musste. Bisher hatten alle Mannschaften die Klasse, die sie einmal erreicht hatten, gehalten. Der Abstieg aus Hessens höchster Spielklasse ist keine Schande und kann den VfB in seinen Grundfesten nicht erschüttern.

Das Spieljahr 1971/72 klang doch noch mit einem denkwürdigen Ereignis aus. Mit dem Spiel gegen die ,,Eintracht“  Frankfurt wurde am 6. Juni 1972 der neue Sportplatz in Betrieb genommen. Die WNZ berichtet vom ,,Millionending", denn das war schließlich der Preis für diese herrliche Sportanlage. Der Frank­furter Fußball-Bundesligatrainer Erich Ribbek meinte, dass man der Gemeinde Aßlar und dem VfB zu diesem großartigen Sportfeld nur gratulieren könne. Diese Freude könne auch durch das total verregnete Einweihungsspiel nicht getrübt werden. ,,Boß" Walter Kissel bedauerte, dass diese, der höchsten Amateurklasse würdige Anlage wegen des Abstieges nun leider nicht mehr den führen­den Amateurvereinen von Hessen vorgestellt werden könne, die unseren alten Sportplatz oft als ,,Viehweide" bezeichneten. Bürgermeister Debus hoffte, dass dem VfB auf dem neuen Platz der Erfolg nicht versagt bleiben möge und einmal die Rückkehr in die Hessenliga ermöglichen werde.
Wer allerdings glaubte, im Spieljahr 1972/73 auf Anhieb ein ,,Come-Back" in die Hessenliga zu erleben, wurde enttäuscht. Aßlar erreichte ,,nur" einen 4. Ta­bellenplatz in der Gruppenliga-Mitte und musste seine Hoffnungen und Ambi­tionen auf einen Wiederaufstieg vorerst begraben. Wahrscheinlich ist es richtig, dass uns der Hessenligaanzug eine Nummer zu groß ist. Wenn wir unserem Publikum gute Gruppenligakost servieren, ist es mit unserer Mannschaft zu­frieden. Die treuen Anhänger haben ihren VfB noch nie im Stich gelassen.